Ökumenischer Kreuzweg: Gründonnerstag – Kreuzweg, und An die Brust

Lesung zur 5. Station aus dem 15. Kapitel des Evangeliums des Markus: 

Der Kreuzweg

Die Soldaten führten Jesus zur Stadt hinaus, um ihn zu kreuzigen. Unterwegs begegnete ihnen ein Mann, der gerade vom Feld kam, ein gewisser Simon aus Zyrene, der Vater von Alexander und Rufus. Den zwangen die Soldaten, Jesus das Kreuz zu tragen. So brachten sie Jesus bis zu der Stelle, die Golgata heißt. (Golgata bedeutet »Schädelstätte«.) Dort wollte man ihm Wein zu trinken geben, der mit Myrrhe vermischt war; doch er nahm ihn nicht.

Kreuzbetrachtung – Körperteilmeditation
(Folgt dem Zyklus von Paul Gerhardt)

Hinführung:
Pauf Gerhardt sucht in schwerster Zeit immer neu sich selbst. Er sucht Gott. Er sucht das Ganze, das ganz sein. Und findet es wieder im Anblick des Gekreuzigten, ganz real, wie in der Martinskirche, wenn man zum Altar blickt: Zuerst die Füße, der Blick wandert hoch, zu den Knien, zur verwundeten Seite, zum Herz, zu den Händen – zum Kopf.
Paul Gerhardt kannte dazu eine lateinischen Liederzyklus von Arnulf von Löwen, in dem die leidenden Körperteile Jesu betrachtet werden als Hilfe, sich in Jesus und damit Gott wieder zu finden, um dem Tod stand zu halten, weil man darin gehalten ist.
PG verdichtete diese lateinischen Lieder neu.

Betrachtung: An die Brust (Salve, salus mea, Deus)

 1. Gegrüßet seist du, Gott mein Heil, / Mein Auge, Lieb und schönstes Teil, /
Gegrüßet seist du, werte Brust, / Du Gottessohn, du Menschenlust, /
Du Träger aller Bürd und Last, / Du aller Müden Ruh und Rast.

2. Mein Jesu, neige dich zu mir / Mit deiner Brust, damit von dir /
Mein Herz in deiner Lieb entbrenn / Und von der ganzen Welt sich trenn. /
Halt Herz und Brust in Andacht reich / Und mich ganz deinem Willen gleich.

3. Mach, Herr, durch deines Herzens Quell / Mein Herz von Unflat rein und hell! /
Der du bist Gottes Glanz und Bild / Und aller Armen Trost und Schild, /
Teil aus den Schätzen deiner Gnad / Auch mir mit Gnade, Rat und Tat.

4. O süße Brust, tu mir die Gunst / Und fülle mich mit deiner Brunst!
Du bist der Weisheit tiefer Grund, / Dich lobt und singt der Engel Mund, /
Aus dir entspringt die edle Frucht, / Die dein Johannes bei dir sucht.

5. In dir wohnt alle Gottesfüll, / Hast alles, was ich wünsch und will,
Du bist das rechte Gotteshaus, / Drum, wann zur Welt ich muß hinaus, /
So schließ mich treulich in dir ein / Und laß mich ewig bei dir sein

Segenswort

Gott war mit dir, als du deinen ersten Atemzug tatest. Gott sei mit dir Atemzug für Atemzug. Die Luft, die du mit allen teilst, segne er, und mache deine Brust weit, er schenke dir die Energie, die du brauchst, auch die Freude und Zuversicht, mit der du in das Leben gehen kannst, das dich erwartet, das Leben mit denen, die Gott dir an die Seite stellt, das Leben in der Schöpfung, die dich umgibt wie die Atmosphäre, Gott segne alles, was deine Brust erfüllt und lasse dich auch getrost ausatmen und loslassen, was du nicht mehr brauchst.